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|:::tomsk, russland, 15.06.05 ::: sibirsches jackass

an unserem letzten tag in ulan ude gingen wir am abend noch einmal ins theater und sahen uns zum zweiten mal das stueck isidora an und verstanden diesmal auch ein wenig mehr. danach verabschiedeten wir uns von svetlana und anatoli, nahmen die marschrutka zum bahnhof und setzen uns in den zug der uns uebernacht nach irkutsk brachte.
dort kamen wir also am montag frueh an und wurden von sasha, der journalistin bei der wir bereits 2oo3 genaechtigt hatten, abgeholt. mit dabei war nadja, eine junge freundin von ihr und gemeinsam fuhren wir zu sasha's wohnung wo das fruehstueck aus pelmeni und wein bestand. da es in ulan ude die letzten tage kein warmwasser mehr gegeben hatte sprangen wir sofort in die warme badewanne bei sasha und veranstalteten eine grosswaesche. nur zwei stunden spaeter wurde auch in sasha's haus das warmwasser abgedreht, also gerade noch rechtzeitig. mit nadja fuhren wir in die stadt, trafen uns dort mit olga (die wir auch bei unserem ersten besuch in irkutsk kennengelernt hatten), gingen gemeinsam spazieren, mit nadja ein bier trinken und am spaeteren nachmittag zurueck zu sasha. sie hatte bereits aufgekocht und im authentisch russischen stil half nichts am wodka-konsum vorbei. an diesem abend kam auch yana vorbei, eine junge studentin die sehr gut englisch und auch deutsch spricht und die kommunikation sehr erleichterte. ausserdem erzaehlte sie uns von ihren reiseplaenen nach europe diesen sommer und wir hoffen sie in oesterreich beherbergen zu duerfen.

am dienstag schliefen wir sehr lange und nach einem deftigen fruehstueck fuhren wir gemeinsam mit sasha mit dem autobus nach listvyanka, einem kleinen fischerdorf am baikalsee. dieser ort stellt _den_ touristenort des baikalsees dar und leider werden die kleinen holzhaeuser von betonbunkern verdraengt. nichtsdestotrotz ein schoener platz und besonders nachdem die sonne rauskam genossen wir den spaziergang am ufer sehr. wir liessen uns frisch geraeuchterten fisch schmecken und fuhren am spaeten nachmittag zurueck nach irkutsk um an diesem abend von sasha zu ihrer freundin (die natuerlich auch sasha heisst) entfuehrt zu werden. mit deren familie sassen wir zusammen und der 12-jaehrige sohn versuchte seine englischkenntnisse an uns und spielte uns russische volksweisen auf der balalaika vor.

mittwoch ging's frueh raus denn unsere schweizer freunde juerg und sibylle kamen mit dem zug aus der mongolei an. wir trafen sie am bahnhof und lernten dort auch maxim kennen, einen jungen mann mit dem wir ueber den hospitalityclub bereits seit laengerem in kontakt waren. alle zusammen fuhren wir mit der marschrutka zu seiner wohnung, er ging arbeiten und wir plauderten in den tag hinein. am nachmittag spazierten wir vier durch die stadt und da sasha gesagt hatte dass sie juerg und sibylle auch kennenlernen moechte und am naechsten tag aber auf eine dienstreise ging verbrachten wir alle gemeinsam den abend bei sasha, dankenswerterweise war auch yana wieder mit dabei und half fleissig beim uebersetzen. ausserdem kochte juerg voellig spontan ein kaesefondue, zur begeisterung aller beteiligten.

am donnerstag vormittag nahmen wir also abschied von sasha und fuhren zu maxim's wohnung wo wir die naechsten naechte in irkutsk verbrachten. maxim lebt in dieser wohnung mit einem anderen jungen mann namens (dreimal duerft ihr raten) sasha. und da beide junggesellen sind (maxim ist mit seinen 26 jahren bereits einmal geschieden und hat zwei kinder) naechtigen dort staendig viele leute und jeder kommt und geht und die naechte werden oftmals zu den tagen gemacht. zur begruessung heisst es "welcome to the world of tomorrow". als wir am nachmittag im internetcafe sassen war es ploetzlich finster - stromausfall und zwar in der ganzen stadt. gottseidank gab es wenigstens am bahnhof strom und wir konnten fahrkarten kaufen, fuer die schweizer abordnung sollte es nach moskau gehen, fuer uns nach tomsk. am abend tauchten in maxim's wohnung etliche junge damen und herren auf und hatten eine grosse vodka-flasche mit im gepaeck. andrey erinnerte ungemein an einen htl-klassenkollegen von pesef und wurde von uns also stefan braeu genannt. witzigerweise (sehr unrussisch) ging niemand um mehr alkohol als die erste flasche aus war und wir sassen bis in die fruehen morgenstunden teetrinkend und keks-naschend am kuechentisch und quatschten, was sehr angenehm war. fast alle von maxim's freunden sprachen ziemlich gutes englisch und so erfreuten wir uns an fruchtbaren gespraechen und begegnungen.

am freitag fuhren wir mit juerg und sibylle gemeinsam noch einmal nach listvyanka, speisten fisch am strand, erkundeten die gegend und staunten ueber die schneebedeckten berge am ostufer die ueber einer niedrigen wolkendecke hervorlugten. fuenf minunten bevor unser bus zurueckfuhr begann es wie aus kuebeln zu regnen und wir waren froh im bus sitzen zu koennen. in irkutsk gingen wir noch am markt einkaufen ("come here my dear") und auch diesmal gab es wieder ein schweizer fondue das maxim sehr schmeckte. spaeter an diesem abend kamen auch noch olga und nadja vorbei und dimo der so gewaltig stunk mit seiner freundin hatte dass er sein mobiltelefon durchs zimmer schmiss. weiters kamen an diesem abend auch noch zwei hollaender (louisa und oka) an, die beide in moskau bzw. st. petersburg russisch studieren und maxim auch ueber den hospitalityclub gefunden hatten. sie hatten es geschafft auf der zugfahrt an einem bahnhof zu lange ausgestiegen zu sein und der zug fuhr ihnen davon. dank ihrer russischkenntnisse schafften sie das unmoegliche und zwar konnten sie mit dem naechsten zug gratis weiterfahren zu einem anderen bahnhof wo ihre sachen bereits auf sie warteten und sie eine nacht uebernachten mussten. am naechsten morgen konnten sie mit dem naechsten zug gratis (und sogar eine klasse besser) weiterfahren nach irkutsk. wie dem auch sei, die beiden sind wirklich liebe leute und wir verstanden uns auf anhieb, ratschten in die nacht hinein und gingen erst kurz vor sonnenaufgang schlafen.

bei unserem ersten besuch in irkutsk lernten wir auch noch einen anderen sasha kennen, und zwar einen jungen studenten der diesmal in moskau war und ein paar tage frueher nach irkutsk zurueckgekommen war um sich noch mit uns zu treffen. so riefen wir ihn am samstag vormittag also an und er kam auch in maxim's wohnung vorbei und wir plauderten und staunten ueber seine neue haarfarbe. am nachmittag brachten wir juerg und sibylle zum bahnhof und danach genoss pesef eine heisse badewanne (in maxim's haus gab es warmwasser). fuer den abend war eine drum'n'bass-party angekuendigt und ausserdem sollte es einen snowboard-contest geben. die idee war dass man eine lastwagenladung hackschnitzel neben ein haus schuettet, darueber eine schiene legt und die boarder vom dach runterspringen und die rail runterfahren. als wir zum "club amsterdam" (der lokation) kamen war zwar eine selbstgebastelte rail da und auch das dach, allerdings fehlten die hackschnitzel. stattdessen hatte jemand ein paar alte schachteln auf den boden (in den regen) gelegt. fuer uns war die sache also gegessen, wir dachten dass da nie im leben wer runterspringen wuerde aber allein schon der anblick der selbstgebauten rail war eine unterhaltung. das lokal selbst war eine uni-kantine und als rosi und die hollaender freunde beim eintritt auch noch 80 rubel abdrucken mussten waren sie leicht enttaeuscht. pesef wurde von andrey "entfuehrt" und irgendwelchen russen in einer finsteren seitengasse als "afstrii snowboaderski" vorgestellt, woraufhin jeder seine hand schuetteln wollte und nach einigem hin und her wurde ihm eine freikarte zugesteckt. etliche leute kamen auf uns zu und jeder sprach englisch und wollte unsere meinung zu dem festl wissen ("you are a sehenswuerdigkeit"). am anfang lief hiphop, unter anderem von texta und ein junger mann bat uns "go to your home country and tell your people that there are snowboarders and drum'n'bass dancers here in our siberia, russia, irkutsk". nach den ersten erfrischungsgetraenken rannten ploetzlich alle raus und wir schlossen uns natuerlich an um zu sehen was los war. ein snowboarder war dabei auf die rail zu steigen die sofort zusammenfiel. daraufhin wurde sie wieder aufgebaut, zwei burschen hielten sie und ein snowboarder kraxelte aufs dach und - man glaube es oder nicht - sprang runter, fuhr kurz auf der rail und landete am asphalt. er hatte sich seine haende zwar am rostigen blech verletzt und blutete aber wurde auf jeden fall zum helden erklaert. drinnen ging es jetzt wirklich mit drum'n'bass weiter und die russen bemuehten sich sehr um uns zu beweisen dass hier wirklich die besten drum'n'bass dancers sibiriens zu finden seien. und wir koennen es nicht verleugnen, es war ein sonnenzauber der extraklasse und wir hoffen euch alsbald videos davon zeigen zu koennen (leider haben wir hier keine moeglichkeit, den inhalt unserer kamera in das internetz zu befoerdern). um halb zwei liefen wieder alle raus und zwar war es jetzt wirklich so weit und es hockten etliche snowboarder am start (sprich dach) und die menge stand unten im regen und feuerte sie an. es schien sehr irreal aber es sprangen doch wirklich alle runter und fuhren auf der rail runter und alle ueberlebten diese wahnsinnstat. wir waren zusammen mit louisa die ersten heimkehrer und in den fruehen morgenstunden klopfte andrey am fenster da wir die tuerglocke nicht gehoert hatten (tiefschlaf). er war wirklich drei stoecke raufgeklettert und kraxelte dann beim fenster rein. auch olga und sasha (der student) trafen noch ein und weckten uns um 8 in der frueh, brachten uns zum bahnhof und verabschiedeten uns. in unserem wagon war fast niemand (11 leute in einem wagon mit 54 betten) und wir schliefen gleich wieder weiter.

am montag wurde der regen verdraengt, die sonne kam raus und in den drei stunden wartezeit in taiga wurde es so richtig heiss. am nachmittag kamen wir in tomsk an wo wir sofort von aljona und zhenja abgeholt wurden. die beiden hatten uns vor langer zeit kontaktiert und hausten bei ihrer europareise 2oo4 bei pesef's eltern in altmuenster. zusammen mit aljona's eltern ging es zu deren haus wo es warmwasser gab, welch eine freude. aljona's mutter hatte fuer uns aufgekocht und ihr vater lernte uns ein asiatisches brettspielt namens narde. am abend ging es zu der wohnung von aljona und zhenja wo wir auf der neuen couch naechtigten.

gestern vormittag gingen wir mit aljona zu der paedagogischen universitaet an der sie englisch unterrichtet, kurz zum bahnhof und trafen uns danach mit zhenja in der stadt. zu mittag gab's blini (eine gewisse aehnlichkeit zu crepe) und dann fuhren wir eine runde mit dem riesenrad. am nachmittag spazierten wir durch die stadt, zu einer grossen kirche mit einer riesigen externen glocke und danach zu einem aussichtsturm wo man ueber die ganze stadt und auf den fluss sah. spaeter noch zum leninplatz und am fluss entlang bevor wir bei aljona und zhenja zuhause fotos von ihren reisen anschauten und kwas-suppe probierten.

heute fuhren wir nach dem besuch einer fotoausstellung mit dem bus zu einem wald in der naehe des flusses und dort machten wir ein kleines lagerfeuer zum wiaschtl-grillen was eine gewisse vorfreude auf grillabende in der heimat ausloeste. ploetzlich wurden wir von einem wolkenbruch ueberrascht der aber gottseidank relativ rasch wieder aufhoerte und die sonne schien wieder vom himmel. heute abend gab es eine verkostung der russischen deliaktesse sirok und viele narde-spiele sowie eine warme dusche dank tauchsieder.
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